Datum9. Mai 2019

Wild West auf der Kiebitzwiese

Wenn man in die Natur geht, weiß man nie, was einen erwartet. Am Montag war Wild West auf der Kiebitzwiese. Das trifft es wohl am besten. Meistens weiß man nicht, welche Tiere man sieht und welche Menschen man trifft. Aber manchmal passieren auch Dinge, die man sich in nicht einmal in seiner Fantasie ausmalen kann.

Die Heckrinder, wild oder schon gezähmt?

So ganz weiß ich auch immer noch nicht, was diese ganze Aktion auf der Kiebitzwiese für einen Sinn hatte. Im Mittelpunkt stand die Heckrindherde. Die auf der Kiebitzwiese weitestgehend sich selbst überlassen ist. Es gibt einen Stall und die Kiebitzwiese ist eingezäunt. Die Heckrindherde kann sich dort frei bewegen und das tut sie auch. Meistens ist die Herde sehr ruhig und wenn man sich fortbewegt, dann langsam und als Karawane. Meistens ein Tier hinter dem anderen. Ich habe davon auch schon hier berichtet. ==>Die Heckrinder

Und ab und zu kommt Nachwuchs auf die Welt. Wer sich um die Herde kümmert und sie im Auge behält ist mir nicht bekannt. Es gibt bestimmt Besitzer. Und diese waren dann vielleicht am Montag im Einsatz. Alles habe ich auch nicht verfolgt und mitbekommen, da ich die zahlreichen Vögel fotografiert habe und die Gegend im Blick hatte.

Aufregung bei den Gänsen

Es begann vielleicht alles damit, das plötzlich mehrere Gänsefamilien mit ihrem Nachwuchs im hinteren Teil der Kiebitzwiese in Richtung des Deiches der Ruhr liefen. Ich verstand diese Aktion nicht, sie sah aber ziemlich interessant aus. Vielleicht hatten die Gänse schon etwas mitbekommen, bevor ich überhaupt etwas bemerkt hatte. Der tierische Instinkt. Da kommt was, wir verschwinden besser alle in Richtung Ruhr.

Die Cowboys beim Wild West auf der Kiebitzwiese

Woher dann die Heckrindherde kam, ist mir nicht mehr ganz klar. Sie wurde aber von zwei Männern in einem Buggy verfolgt oder besser in eine Richtung getrieben. Sozusagen zwei Cowboys. Wo der Buggy den Graben überqueren konnte oder überhaupt in den Bereich kam, ist mir nicht klar. Aber bestimmt konnten die Cowboys das Gatter zur Sperrzone öffnen, was wir Besucher nicht können.

Die Herde lief dann genau dort lang, wo vorher auch die Gänsefamilien in Richtung Deich unterwegs waren.

Wild West auf der Kiebitzwiese

Die Herde flieht geschlossen. Noch ist das Kalb dabei.

Sie wurden aber von den Männern entlang des Deiches getrieben und dann in eine Lücke hinein und dann war die Herde nicht mehr zu sehen. Das ganze hatte wirklich etwas von Wild West auf der Kiebitzwiese. So große Herdentiere in voller Bewegung, wo sieht man das sonst in Deutschland?

Ein Kälbchen auf der Flucht

Also Aktion gelungen und beendet. Nicht ganz. Während die Herde in geschlossener Formation vorbildlich zusammenhielt und vor der Gefahr floh, konnte ein kleines Kälbchen nicht flogen. In der Natur wäre das ein verhängnisvoller Fehler gewesen. Von der Herde getrennt, wäre die Gefahr groß gewesen.

Auf der Weide dachte das Kälbchen aber gar nicht daran, der Herde zu folgen. Es hatte mittlerweile Ohrmarken bekommen und dachte sich wohl, „Menschen, nein danke! Ich sehe mal zu, das ich vor denen weglaufe!“

Und es lief an dem Buggy vorbei und machte sich in Richtung Westen in den ganz hintersten Bereich davon. Bald war es nicht mehr zu sehen. Alle Heckrinder waren weg. Aber durch die Aktion wurden natürlich auch noch alle Gänse und der Kranich aufgescheucht und wechselten den Standort. Während einige Gänse direkt verschwanden, wechselte der Kranich laufend den Standort. Gut für den Fotografen!

Mutter und Kind allein unterwegs

Als ich mich dann wieder umsah, stand plötzlich die Mutter mit dem an Ostern geborenen Kälbchen rechts vom Aussichtshügel. Mutter und Kind waren wohl nicht bei der Herde gewesen. Sie waren schon in den Tagen davor immer allein unterwegs. Sie hatten den Weg ganz am Zaun entlang gewählt und waren jetzt tatsächlich sicher! Denn dort konnten die Männer mit dem Buggy wirklich nicht hinfahren ohne durch einen Graben zu müssen.

Die Mutter stellte sich schützend vor das Kälbchen. Es sah so aus, als hätten sie gewonnen! Die Cowboys stiegen aus dem Buggy und standen am Graben. Die Mutter sah sie an. Dann klatschten die Männer in die Hände und riefen. Und die Mutter lief los. Und das Kälbchen hinterher.

War das der Fluchtinstinkt oder die gezähmte Natur der Heckrinder? Sie liefen durch das Wasser in Richtung der Männer und die sprangen schnell in den Buggy und trieben die beiden in Richtung Deich zu den Anderen. Die Herde war wieder vereint. Die Arbeit der Cowboys war erledigt und der Mensch hatte wieder einmal gewonnen.

Der Hausrotschwanz

Der Hausrotschwanz

Männlicher Hausrotschwanz im Prachtkleid mit gefangener Beute

Der Hausrotschwanz ist in den letzten Wochen einer der auffälligsten Zugvögel, die aus dem Winterquartier zurück sind. Während sich die Goldammern und Neuntöter noch gar nicht zeigen. So ging es mir letztes Jahr mit dem Hausrotschwanz. Er war letztes Jahr für mich ein Sinnbild für die Singvögel die durch den Insektenschwund und die Landwirtschaft verschwinden.

Nistet gerne unter dem Dach

Ich habe das ganze Jahr über nur wenige Hausrotschwänze gesehen. Früher waren die Hausrotschwänze viel häufiger. In Velbert-Langenberg habe ich sie aber jetzt bei jedem Ausflug gesehen. Der Hausrotschwanz nistet gerne unter Dachgebälk, besonders gerne in Ställen und Scheunen. Aber auch in Halbhöhlen und Mauerspalten. Ursprünglich ist er ein Bewohner der Felsregionen im Hochgebirge.

Da ich ihn in den letzten Jahren kaum noch gesehen habe, habe ich seinen Warnruf, das typische “teckteckteck” ewig nicht mehr gehört. Das sich mir früher so eingeprägt hat. Ist er in den Städten fast gar nicht mehr zu sehen, so scheint er auf dem Land noch häufiger vorzukommen. Das scheint seiner Lebensweise noch entgegen zu kommen.

Ansitz auf Zaunpfählen

Der Hausrotschwanz sitzt gerne auf Zaunpfählen von denen er kurz auf den Boden fliegt, um Insekten zu fangen. Um dann mit ihnen als Beute auf den Zaunpfahl zurück zu kehren. Dieses Verhalten konnte ich bei einem Männchen im Prachtkleid in Langenberg beobachten.

Seine Nahrung sind hauptsächlich dann auch Insekten, Spinnen und Beeren. Die Männchen sind überwiegend rußschwarz. Nur die mehrjährigen Männchen haben im Prachtkleid die weißen Flügelbinden. Während die Weibchen dunkel graubraun sind.

Er singt schon vor Sonnenaufgang auf hohen Warten, auf Antennen und Dachfirsten.

 

 

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