
Am Tag nach der Safari hatten wir nichts geplant und wollten uns im Hotel ausruhen. Wir lagen also auf unseren Liegen in der Nähe vom Pool, als meine Verlobte fragte: „Hast du die Vögel gehört?“ Ich hatte sie gehört und gesehen und ging davon aus, das die Geräusche von den vielen Glanzkrähen kamen, die das Hotelgelände in Scharen bevölkerten. Meine Verlobte hat ein absolutes Gehör und hat bestimmt sofort gehört, das da ganz andere Geräusche waren. Die neu waren und sich anders anhörten als die Stimmen der Glanzkrähen.
Selbst als irgendwann schwarze Vögel über uns die Hotelanlage überquerten, schöpfte ich keinen Verdacht. Ich versuchte mir das, was ich da gesehen hatte, mit komischen Vergleichen zu beschreiben. „Diese Glanzkrähe hatte anscheinend ein Brötchen im Schnabel.“ Ich kam gar nicht auf die Idee, das der schwarze Vogel keine Glanzkrähe gewesen war. Da alle schwarzen Vögel dort eben Glanzkrähen waren und die Vögel, die es tatsächlich waren, in einer Hotelanlage für mich einfach völlig unerwartet waren.
Erst als ich zufällig nach rechts hinter die nächsten Gebäude blickte, entdeckte ich zwei große, schwarze Vögel mit riesigen Schnäbeln auf einer großen Palme und konnte es kaum glauben. Ich beschrieb das, was ich da sah, erstmal ganz umgangssprachlich bzw. wie ich es als Kind vielleicht mal gehört hatte. „Da sitzt ein Nashornvogel.“ Vielleicht hatte ich sie in einem Film gesehen oder auch einmal im Zoo. Aber in freier Wildbahn und dann noch im Hotelgelände, das schien mir mehr als ungewöhnlich.
Auf der Safari waren solche Vögel keine Option gewesen. Sie leben nicht in der Savanne. Dort leben nur die Tokos, die zwar auch imposante Schnäbel haben, aber keine mit Hornaufsatz. Die beiden Hornvögel in der Palme hatten so einen Aufsatz auf ihren großen, orangenen Schnäbeln. Große, orangene Schnäbel – Das war das, was ich im Flug als Brötchen gesehen habe. Im Nachhinein schon ziemlich lustig.
Da ich meine Kamera fast immer auch im Hotel bei mir hatte, machte ich direkt Fotos von diesen Hornvögeln auf dem Blatt der Palme. Ich hätte das auch eine längere Zeit lang machen können, wäre in dem Moment nicht ein Affe von unten den Palmenstamm in einer wirklich affenartigen Geschwindigkeit zu dem Nashornvogel hochgerast und hätte diese vertrieben. Die kamen dann auch so schnell nicht wieder.
Ich hatte also Zeit, die Sichtung zu verarbeiten und in meinem Safaribuch nach diesen Vögeln zu suchen. Tatsächlich waren sie auch in meinem Buch. Es waren Silberwangen-Hornvögel, die sich wohl im Laufe des Jahres zuerst in Äthiopien aufhalten und dann ab August über Kenia nach Tansania wandern. Sie sind die häufigsten Hornvögel in den Galeriewäldern an der kenianischen Küste. Der Silberwangen-Hornvogel gehört zur Artenfamilie Nashornvogel.
Leider hatte der Affe sie vertrieben, zum Glück tauchten sie aber am nächsten Tag wieder auf. Ein Exemplar saß plötzlich auf einer Palme an einer Außenmauer des Hotels. Diese Palme war schon vorher ein beliebter Ansitzplatz für andere Vögel gewesen. Als ich mich dem Silberwangen-Hornvogel näherte, konnte ich ihn auch kurze Zeit fotografieren, bevor er in ein kleines Gehölz auf dem Hotelgelände flüchtete. Wie ich dann feststellte, war er dort nicht allein. Es waren 3 oder 4 Silberwangen-Hornvogel anwesend. Diese ernährten sich in den Baumwipfeln von grünen Früchten. Auch wenn sie in den Baumwipfeln geschützt sassen, konnte ich doch zwischendurch ein paar schöne Fotos von ihnen machen.
In den nächsten Tagen sahen wir die Silberwangen-Hornvögel nochmal im Flug, aber leider nicht mehr aus der Nähe. Vielleicht waren sie weitergezogen.





































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