MonatOktober 2019

Die Spannung steigt an der Ruhr!

Die Spannung steigt

Noch ist der Kranich ziemlich ruhig. Wird seine Unruhe noch kommen?

Die Spannung steigt in den nächsten Wochen an der Kiebitzwiese. Die Natur schreibt eben oft die spannendsten, schönsten und tragischsten Geschichten. Vielleicht sieht der Hauptdarsteller das Ganze auch total gelassen. Die Ruhe scheint er sowieso wegzuhaben. Und das schon seit ein paar Monaten.

Die Geschichte ist erstmal einfach, ein Urlauber verpasst den Abflug und damit seinen Rückflug. Bei dem Urlauber handelt es sich um einen Kranich, der seit Ende März an der Kiebitzwiese ist.   Der Kranich an der Kiebitzwiese.

Zunächst hatten vier Kraniche beim Rückflug aus dem Winterquartier an der Kiebitzwiese gerastet. Nach und nach sind die anderen Kraniche dann aber verschwunden. Nur unserem Hauptdarsteller hat es so gut gefallen, dass er den ganzen Sommer in Fröndenberg an der Ruhr verbracht hat. Verstehen kann man es ja, es ist schön dort und es sind keine anderen Kraniche da die stören und man muss nicht so weit fliegen.

Ein Kranich allein in Nordrhein-Westfalen

Denn etwas anders muss unser Kranich schon sein. Unser schönes Nordrhein-Westfalen ist nicht gerade das beste und bevorzugte Land für Kraniche. Nicht einmal das beste Bundesland für Kraniche. Wenn du in Nordrhein-Westfalen bist, dann kannst du sagen, viele Kraniche wirst du hier nicht treffen.

Jetzt ist ein ruhiger Sommerurlaub bei bis zu 42 Grad vielleicht eine gute Sache. Aber jetzt steht der Winter vor der Tür und als Zugvogel hört da der Spaß auf. Der Instinkt läßt einen unruhig werden und sagt einem, dass man los muss in den Süden. Gerade bei einer Vogelart, die praktisch das Sinnbild für die Zugvögel und den Vogelzug ist. Ein Kranich, der kein Zugvogel ist, das kann gar nicht sein. Einige Singvögel oder auch Störche fliegen schon nicht mehr in den Süden. Aber ein Kranich? Eigentlich unvorstellbar.

Die Spannung steigt jeden Tag

Und selbst wenn die Winter in Deutschland mild sind, kalt wird es trotzdem und dann will man los. Der Kranich ist jetzt noch die Ruhe selbst. Aber eigentlich muss er in den Süden fliegen. Und jetzt wird es dann spannend. Wird er losfliegen, erstmal alleine oder wird er sich einem Kranichzug anschließen, wenn dieser die Kiebitzwiese überfliegt oder vielleicht dort rastet. Was wird mit ihm passieren, wenn er seine Artgenossen am Himmel sieht?

Wird er vielleicht überwintern?

Wir werden nur sehen, das er dann vielleicht nicht mehr da ist. Den Abflug kriegt man meistens nicht mit. Sollte er bleiben, dann wäre er erst recht eine Sensation. Die Spannung steigt also, auch weil man eben auf die tollen V-Formationen der Kraniche am Himmel wartet. Ein paar kleinere Gruppen mit den Frühstartern waren schon unterwegs.

Immerhin kann man bei den Kranichen so viel sagen, spätestens wenn es kalt wird, dann wollen sie fast alle los.

Hausrotschwanz – Abschied von einem Sommervogel

Hausrotschwanz

Männlicher, adulter Hausrotschwanz in der Abendsonne

Vor 10 Tagen habe ich mich gewundert, das noch Hausrotschwänze in Langenberg waren. Mittlerweile ist der Abschied vom Hausrotschwanz für dieses Jahr gekommen. Sie waren die dominanten und häufigsten Vögel in Langenberg in diesem Sommer. Die zahlreichen Hausrotschwänze haben zu Schwierigkeiten bei der Bestimmung geführt. Aber es waren erfreuliche Bilder.

Die Kennzeichen vom Hausrotschwanz

Ein Hausrotschwanz ist ganz leicht an seinem orange-roten Schwanz zu erkennen. Auch die Altvögel sind leicht zu unterscheiden. Während die Männchen dunkelgrau bis schwarz gefärbt sind und weiße Flügelspiegel haben, sind die Weibchen einfarbig graubraun gefärbt. Alle Jungvögel die geboren werden, sind so gefärbt wie die Weibchen. Nur die Unterseite ist bei Jungvögeln scheckiger und gewölkter. Sie wirken rundlicher und die Federn sehen mehr wie Daunen aus.

Verzögerte Gefiederreifung

Nach der Jugendmauser, bei der nur ein Teil des Gefieders gewechselt wird, sehen die weiblichen Jungvögel aus wie die erwachsenen Weibchen. Auch der Großteil der männlichen Jungvögel im ersten Lebensjahr sieht noch so aus. Denn der Hausrotschwanz hat eine verzögerte Gefiederreifung. Eine weitere Besonderheit beim Hausrotschwanz ist, das nicht alle Männchen diese verzögerte Gefiederreifung mitmachen und das sogenannte Hemmungskleid zeigen. Etwa 15% der jungen Männchen zeigt das Fortschrittskleid und sie sehen schon fast so aus wie mehrjährige Männchen. Ihnen fehlen nur die weißen Flügelspiegel und die schwarzen Flügelfedern.

Diese unterschiedlichen Gefieder- und Mauserphasen führen dazu, das man viele Hausrotschwänze sehen kann, die sehr unterschiedlich aussehen :

Der Hausrotschwanz ist als Zugvogel etwa von März bis Oktober in Deutschland. Er wird bis zu 15 cm groß und ist damit etwas kleiner als ein Spatz. Seine Nahrung sind Insekten und Spinnen, die spätestens ab Oktober in Mitteleuropa nicht mehr vorhanden sind. Viele der zahlreichen Hausrotschwänze in Langenberg haben schon Mitte August das Gebiet verlassen. Nur eine Familie mit den beiden Altvögeln und wohl einigen Jungvögeln war Ende August noch rund um den Bauernhof zu beobachten. Diese Familie konnte den ganzen Sommer dort beobachtet werden. Sie waren auch noch gegen Ende September dort.

Nest und Brutzeit

Als Nischenbrüter baut der Hausrotschwanz im Hochgebirge sein Nest gerne in Felsspalten. Er ist sehr unempfindlich was die Wahl des Ortes betrifft. Die Nähe zu Menschen oder Tieren und großer Lärm stört ihn gar nicht. Er scheint aber überdachte Orte zu bevorzugen und baut sein Nest gerne in Ställe oder Scheunen. Das Weibchen baut das Nest ohne das Männchen. Das Nest ist für einen kleinen Vögel ziemlich groß. Der Unterbau ist oft etwas chaotisch und aus lockerem Material, häufig aus Stroh. Darauf wird das eigentliche Nest aus festerem Material gebaut. Die Nestmulde ist rund und ziemlich tief. Und hebt sich deutlich vom Unterbau ab. Das Nest wird beim Bau an den Platz angepasst. So etwa an die Breite eines Deckenbalken in einer Scheune. Auf dem Foto kann man ein Nest in einem offenen Stall auf einer Weide sehen :

Nest vom Hausrotschwanz

Das Nest ist in einer Nische auf einem Balken gebaut worden

Die Brutzeit ist von April bis Juli. Das Weibchen legt 5 bis 6 Eier. Gebrütet wird 13 Tage. Die Jungvögel schlüpfen in kurzen Abständen und sind etwa 15 Tage im Nest. Pro Jahr gibt es meistens 2 Bruten. Drei Bruten pro Jahr sind selten.

Lebensweise und Verhalten

Der Hausrotschwanz geht eine enge Verbindung mit der Landwirtschaft und dem Menschen ein. Als früherer Bewohner des Hochgebirges und der Felsen- und Schotterregion in den Bergen, fühlt er sich auch in Industriegebieten sehr wohl. In den Ställen und auf den Weiden kommt ihm die Nähe der Nutz- und Weidetiere wie z. B. den Kühen zu Gute. Die Kühe locken Insekten an, die dann seine Beute werden. Der Hausrotschwanz fliegt immer wieder von einem Zaunpfahl in die Wiese, um die Insekten zu fangen. Er ist ein Wartenjäger und fängt die Insekten selten im Flug. Hat er eine Beute gefangen, kehrt er zum Zaunpfahl zurück und schlägt die Insekten so lange gegen den Zaunpfahl bis die Tiere tot sind und harte Körperteile abgefallen sind.

In Langenberg waren die Kühe noch bis Ende September auf der Weide. Was dem Hausrotschwanz geholfen hat. Vielleicht hatte das Hausrotschwanz-Paar auch nochmal späten Nachwuchs und blieb deshalb noch etwas länger vor Ort. Der Nachwuchs bei den Hausrotschwänzen scheint dieses Jahr sehr zahlreich gewesen zu sein. Der Landwirt hat im Winter eine neue Scheune gebaut. Vielleicht haben die Hausrotschwänze davon profitiert.

Wenig sozial

Die Hausrotschwänze sind keine sehr sozialen Vögel. Gejagt wird immer einzeln. Auch dabei kommen ihnen die Zaunpfähle entgegen. Der Abstand zwischen zwei Zaunpfählen wird immer eingehalten. Diese Distanz wird selten unterschritten. Kleine Gruppen oder Verbände sieht man fast nie, sie können nur während dem Zug vorkommen.

Die Kühe haben die Weide nun verlassen und so hieß es für mich Abschied vom Hausrotschwanz für dieses Jahr. Die anderen heimischen Zugvögel wie die Dorngrasmücke oder der Grauschnäpper hatten auch schon im August die Reise in den Süden angetreten. Der Hausrotschwanz bleibt als Kurzstreckenzieher am längsten in Deutschland und Mitteleuropa. Er überwintert im Mittelmeerraum.

Jetzt sind nur noch die bekannten Jahresvögel wie die Meisen, Buchfinken und das Rotkehlchen zu sehen. Einige Zugvögel aus Nord- und Osteuropa werden noch durch Deutschland ziehen. Von dort sind auch noch viele Rauchschwalben, Buchfinken, Steinschmätzer und ein paar späte Braunkehlchen unterwegs.

Bestand :

In Deutschland gab es zwischen 2005 und 2009 etwa 800.000 bis 1.100.000 Brutpaare. Der Bestand ist recht stabil trotz des Insektensterbens. Und 2019 war wohl ein gutes Jahr für den Hausrotschwanz.

Die Sichtungen vom September

Die Sichtungen vom September

Die Sichtungen vom September, das Teichhuhn hat noch spätem Nachwuchs

Die Sichtungen vom September waren etwas anders als erwartet. Vor dem Urlaub in Zeeland hatte ich gedacht, das ich bestimmt neue Limikolen und Möwen sichten werde. Es war dann nur eine neue Limikole, der kleine Steinwälzer. Über den Steinwälzer (Arenaria interpres) habe ich hier schon berichtet. Er ist meine Nr. 94 für dieses Jahr. Eine neue Möwenart für dieses Jahr konnte ich in Zeeland gar nicht sichten.

Die weiteren Vogelarten, die ich in Zeeland beobachtet habe, waren typische Arten für ganz Mitteleuropa. Die mir zu Hause aber immer Probleme bereiten. Ich sehe sie häufig immer erst sehr spät im Jahr.

So zum Beispiel das Teichhuhn meine Nr. 93 für dieses Jahr. Während sein Verwandter, das Bläßhuhn überall ziemlich häufig ist, sieht man Teichhühner sehr selten. In Westkapelle war es auch nur eine Teichhuhn-Familie, die auf 50 Bläßhühner kam. So ähnlich ist auch das Verhältnis der beiden Arten in Nordrhein-Westfalen.

Das ich den Eisvogel immer erst so spät im Jahr sehe, habe ich auch schon in meinem letzten Beitrag erklärt. Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist die Nr. 95 für dieses Jahr.

Die Nr. 96 geht an die hübsche Gebirgsstelze. Die in Nordrhein-Westfalen auch nur an bestimmten Orten gesichtet werden kann. Deshalb bin ich mit den Sichtungen vom September ganz zufrieden.

 

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