MonatJuni 2018

Die Bambis

Regelmäßig über die Storchenkinder zu berichten, ist eine unkomplizierte Sache. Man hat mit dem Nest einen festen Beobachtungspunkt, der auch noch in den meisten Fällen gut sichtbar und erreichbar ist. Bei anderen Vogelarten, die Nestflüchter sind, wird es schon schwieriger. Vielleicht gibt es dort einen Teich als Lebensraum, der den Bewegungsradius der Familie beschränkt. Schwierig wird es aber dann bei Säugetieren, die einen sehr großen Bewegungsradius haben.

Vor ein paar Wochen habe ich zufällig die beiden Rehkitze mit ihrer Mutter fotografiert. Das sind echte Glücksmomente, gerade wenn sie dann auch noch zu untypischen Zeiten passieren. Meistens sind das einmalige Begegnungen. Aber vor zwei Wochen konnte ich zwei Rehkitze im Hammer Wasserwerk fotografieren. Deutlich größer als damals die kleinen Bambis mit ihrer Mutter. In unserer Landschaft muss alles eingezäunt werden. Damit es geschützt ist. Das ist an der Kiebitzwiese so und auch in den Rieselfelder von Münster. Dort dann auch wegen der Heckrinder, aber auch natürlich wegen uns Menschen. Das wir bestimmte Bereiche nicht betreten. Es ist leider so. Und ein Wasserwerk muss natürlich besonders geschützt werden. Es ist ein Betriebsgelände und auch noch ein sehr sensibles, das viele Menschen betrifft.

Für Vögel ist das alles kein Problem, aber auch Rehe können Stacheldrahtzäune problemlos überwinden. Sie kriechen durch. Und auch durch das Wasser laufen sie. Was ich schon oft gesehen habe. Irgendwie müssen sie ja in so einen Sicherheitsbereich kommen. Und so hoffe ich, das es die beiden Bambis von der Kiebitzwiese sind, die im Hammer Wasserwerk waren. Die beiden machten einen sehr ruhigen Eindruck, das ich denke, die Mutter war in der Nähe. Wahrscheinlich in dem Gebüsch, wo die beiden dann irgendwann verschwunden sind. Ich hoffe es zumindest immer, das es so ist!

Die Vier vom Tibaum

Vier gewinnt – so ist eindeutig das Motto dieses Jahr bei den Störchen an der Lippe. Wer vier Jungvögel groß zieht, hat dieses Jahr alles richtig gemacht. Die Storchenpaare in der Disselmersch, in Dinker und auch am Tibaum im Hammer Westen haben das geschafft. Bald werden sie die ersten Flugversuche starten. Wahrscheinlich zu erst in Dinker, dann in der Disselmersch und die vier Jungvögel vom Tibaum brauchen wohl noch am längsten. Sie sind etwas später geschlüpft. Einer der Vier macht aber schon fleißig Schwing- und Sprungübungen. Auch das ist sehr auffällig in den Nester. Einer macht immer diese Übungen und scheint seine Geschwister damit zu nerven. Die einfach seelenruhig im Nest stehen oder gar liegen. Nach dem Motto, zu Hause ist es auch sehr schön. Während es der Eine kaum erwarten kann, endlich in die Luft zu steigen und zu fliegen.

Die Jungstörche die am frühesten Fliegen wollen, machen auch immer den weitesten und kräftigsten Eindruck in der Entwicklung. Der Fleißige vom Tibaum-Nest trainiert aber vielleicht auch deshalb so viel, weil sein rechter Flügel nicht ganz so gut aussieht wie sein Linker. Da ist eine große Lücke zu sehen. Aber ob das einem Storch bewußt ist?

 

Die Grasmücken

Mir geht es so, wenn ich die Namen von Vögeln kenne, dann mache ich mir keine Gedanken darüber. Wer den Namen Grasmücke hört, denkt bestimmt an die stechenden Plagegeister. Und nicht an kleine Singvögel. Als ich über den Namen nachdachte, hatte ich die Vermutung, es hat mit der kleinen Körpergröße zu tun. Tatsächlich kommt Grasmücke vom Altdeutschen Gra-smucka, die Grauschlüpfer. Die Grasmücken sind meistens graubraun gefärbt und leben in Wälder und dichtem Gebüsch und schlüpfen dort problemlos hindurch. Der wissenschaftliche Name für Grasmücken ist Sylvia. Also ist jede Frau mit dem Namen Sylvia eigentlich eine Grasmücke oder Grauschlüpferin? Ob man das laut sagen sollte, gerade als Mann? Wohl besser nicht. Wobei vielleicht der eine oder andere die doch eher schlichten Grasmücken doch ganz schön findet.

Eines kann man aber ganz sicher sagen, ihr Gesang ist überhaupt nicht schlicht und dabei sind sie auch immer gut zu hören und zu sehen!

Kurz vor dem ersten Flug

Die Jungstörche in der Disselmersch sind jetzt schon fast so groß wie Altvögel. Ihre Schnäbel sind mittlerweile auch hellrot geworden. Anfang Juni waren ihre Schnäbel noch schwarz und sie selbst sehr viel kleiner und sie wirkten wirklich noch etwas jung. Jetzt ist das gar nicht mehr so, man kann sie auf den ersten Blick sogar mit den Altvögeln verwechseln. Sie trainieren kräftig ihre Flügel und in den nächsten Tagen werden sie wohl ihre ersten Flüge machen. Besonders ein Jungstorch ist schon die ganzen Wochen sehr auffällig. Er scheint immer zu stehen und schon immer zu trainieren. Während seine Geschwister oft im Nest liegen.

Aber allen vier Jungvögeln geht es sehr gut! Eine tolle Leistung der Altvögel alle groß zuziehen und die Vier werden wohl in ein paar Wochen gemeinsam in den Süden fliegen. Sie sind auch schon beringt worden, damit man ihren weiteren Weg verflogen kann.

 

Farbenspiele

Wenn man in diesen Tagen zur Disselmersch kommt, fallen einem sofort zwei Dinge auf. Die Jungstörche sind schon fast so groß wie ihre Eltern und ein violett leuchtendes Meer durchzieht die Wiesen. Tausende Blutweideriche blühen zur Zeit rund um die Wasserflächen. Ein Szenario, das man sonst nur von der Heideblüte in der Lüneburger Heide kennt. Um so überraschter ist man bei diesem Anblick!

Auge in Auge

Gestern Abend war der Moment da. Vielleicht lag es am Mond, der schon am Nachmittag am blauen Himmel stand. Vielleicht am sehr warmen, fast windstillen Wetter. Letzte Woche hatte ich noch vom Paradies für Greifvögel geschrieben und dem Ansitzbaum. Seit gestern kann ich bestätigen, es ist ein Paradies für Greifvögel! Ich war Auge in Auge mit den beiden Schwarzmilanen. Ich stand an der Ruhr und die beiden saßen majestätisch am Ufer gegenüber und thronten über mir in ihrem Baum. in diesen tollen Momenten war das wirklich so. Denn ich konnte nicht hinüber, sie aber schon und sie hätten jeder Zeit wegfliegen können. Aber sie ließen mir die Zeit sie zu fotografieren. Und das ohne Deckung. Ich konnte sie sehen und sie mich!

Und es hat sich auch ein Kreis geschlossen. Ende März habe ich die beiden in der Dämmerung auf einem Baum fotografiert und jetzt beide einzeln in ihrem Baum an der Ruhr. Und ich kann die beiden jetzt unterscheiden. Der kleinere und jüngere Milan hat braune Augen. Ein Zeichen für sein junges Alter und der Größere, Kräftigere hat helle Augen. Die färben sich erst ab dem 7. Lebensjahr so. Und auch das Gefieder läßt deutlich ein höheres Alter erkennen. Es könnte wegen der Größe ein Weibchen sein.

Leider gibt es auch im Paradies Schwierigkeiten und Probleme. Das Weibchen hat etwas am Schnabel. Es könnte vielleicht sogar eine Nylon-Schnur sein, die sich dort verheddert hat. Vor zwei Wochen hat sie das noch nicht gehabt. Hoffen wir das es nicht so ist und sie ihr Problem wieder los wird.

Goldene Zeiten

Es gibt Vögel, die sieht man jeden Tag. Die Amseln, auf jedem Hausdach sitzt Eine und singt. Oder die Ringeltauben. Und es gibt Vögel, die sieht man bei jedem Ausflug. Dieses Jahr sind das besonders die Rohrammer und die Goldammer. Im Vergleich zu letztem Jahr kann man schon von goldenen Zeiten sprechen. So häufig sieht man die Goldammern! Ich hätte nicht gedacht, das es hier so viele gibt! Auch gerade nach dem letzten Jahr. In den Rieselfeldern von Münster sieht man die Goldammer kaum einmal und dort war ich die meiste Zeit unterwegs. In der Kiebitzwiese, in den Hemmerder Wiesen und den Ahsewiesen gibt es dagegen sehr viele Goldammer-Reviere. Die Goldammer ist oft sehr unterschiedlich gefärbt. Es gibt wirklich goldgelbe Exemplare und sehr Gelbe. Man kann es auf den Fotos gut vergleichen.

Die Watvögel der Kiebitzwiese

Und eben weil auch im NSG Kiebitzwiese durch die Heckrinder die Landschaft offen gehalten wird, fühlen sich auch viele Watvögel dort wohl. Denen macht auch übermässiger Algenwuchs wie in diesem Jahr nichts aus. Solange es genug Schlammflächen zur Nahrungssuche gibt.

 

Die Heckrinder

Vielen von uns sind diese Rinder schon in Naturschutzgebieten und Schutzprojekten begegnet. Es gibt sie in den Rieselfeldern von Münster, aber auch in der Kiebitzwiese von Fröndenberg. Sie werden als Landschaftspfleger eingesetzt. Sie werden die größte Zeit des Jahres sich selbst überlassen. In Oostvaardersplassen in den Niederlanden leben große Heckrindherden fast wild. Das Heckrind ist eines von vielen auerochsähnlichen Rindern. Ein Nachzuchtversuch des Auerochsen. Der bereits 1627 ausgestorben ist.

In anderen Naturschutzgebieten werden auch Wasserbüffel und Galloway-Rinder als Landschaftspfleger eingesetzt. Die verschiedenen Rinderarten halten die Landschaft offen und verhindern das Wachstum von Büschen. Was im späteren Verlauf dann zu einer Bewaldung führen würde. Sie übernehmen also eine ähnliche Aufgabe, wie die Heidschnucken in der Lüneburger Heide.

Eine offene Landschaft ohne Wald führt zu einer höheren Artenvielfalt. Es gibt mehr Tiere und Pflanzen. Die Rinder kommen auch gut mit Wasserflächen und feuchten Wiesen zu recht. Das kann man auf meinen Fotos gut erkennen.

Neuntöter-Paare

Die Neuntöter sind meine Favoriten im Moment. Man sieht sie jedes Mal, sie posieren gerne auf den Büschen, Zäunen und Ansitzen. Gerne auch mit ihrer Beute. Dabei sieht man immer auch die Weibchen. Da fragt man sich manchmal schon, brütet da auch noch jemand? Die Neuntöter sind erst seit Mai wieder hier. Vielleicht sind die Jungen schon geschlüpft.

Auf der Kiebitzwiese soll es mindestens zwei Paare geben. Die Männchen sind sehr schwer zu unterscheiden. Während das eine eher schlanker wirkt, ist das Andere dick und bullig. Bei den Weibchen ist es da einfacher. Während das Eine einen grauen Kopf hat, ist das Andere durchgehend Rotbraun. Vom Kopf bis zum Schwanz.

Das eine Paar hat den hinteren Bereich der Kiebitzwiese mit dem angrenzenden Hammer Wasserwerk als Revier. Das andere Paar könnte sein Revier im Bereich des Stalls der Heckrinder haben.

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