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Die Spannung steigt an der Ruhr!

Die Spannung steigt

Noch ist der Kranich ziemlich ruhig. Wird seine Unruhe noch kommen?

Die Spannung steigt in den nächsten Wochen an der Kiebitzwiese. Die Natur schreibt eben oft die spannendsten, schönsten und tragischsten Geschichten. Vielleicht sieht der Hauptdarsteller das Ganze auch total gelassen. Die Ruhe scheint er sowieso wegzuhaben. Und das schon seit ein paar Monaten.

Die Geschichte ist erstmal einfach, ein Urlauber verpasst den Abflug und damit seinen Rückflug. Bei dem Urlauber handelt es sich um einen Kranich, der seit Ende März an der Kiebitzwiese ist.   Der Kranich an der Kiebitzwiese.

Zunächst hatten vier Kraniche beim Rückflug aus dem Winterquartier an der Kiebitzwiese gerastet. Nach und nach sind die anderen Kraniche dann aber verschwunden. Nur unserem Hauptdarsteller hat es so gut gefallen, dass er den ganzen Sommer in Fröndenberg an der Ruhr verbracht hat. Verstehen kann man es ja, es ist schön dort und es sind keine anderen Kraniche da die stören und man muss nicht so weit fliegen.

Ein Kranich allein in Nordrhein-Westfalen

Denn etwas anders muss unser Kranich schon sein. Unser schönes Nordrhein-Westfalen ist nicht gerade das beste und bevorzugte Land für Kraniche. Nicht einmal das beste Bundesland für Kraniche. Wenn du in Nordrhein-Westfalen bist, dann kannst du sagen, viele Kraniche wirst du hier nicht treffen.

Jetzt ist ein ruhiger Sommerurlaub bei bis zu 42 Grad vielleicht eine gute Sache. Aber jetzt steht der Winter vor der Tür und als Zugvogel hört da der Spaß auf. Der Instinkt läßt einen unruhig werden und sagt einem, dass man los muss in den Süden. Gerade bei einer Vogelart, die praktisch das Sinnbild für die Zugvögel und den Vogelzug ist. Ein Kranich, der kein Zugvogel ist, das kann gar nicht sein. Einige Singvögel oder auch Störche fliegen schon nicht mehr in den Süden. Aber ein Kranich? Eigentlich unvorstellbar.

Die Spannung steigt jeden Tag

Und selbst wenn die Winter in Deutschland mild sind, kalt wird es trotzdem und dann will man los. Der Kranich ist jetzt noch die Ruhe selbst. Aber eigentlich muss er in den Süden fliegen. Und jetzt wird es dann spannend. Wird er losfliegen, erstmal alleine oder wird er sich einem Kranichzug anschließen, wenn dieser die Kiebitzwiese überfliegt oder vielleicht dort rastet. Was wird mit ihm passieren, wenn er seine Artgenossen am Himmel sieht?

Wird er vielleicht überwintern?

Wir werden nur sehen, das er dann vielleicht nicht mehr da ist. Den Abflug kriegt man meistens nicht mit. Sollte er bleiben, dann wäre er erst recht eine Sensation. Die Spannung steigt also, auch weil man eben auf die tollen V-Formationen der Kraniche am Himmel wartet. Ein paar kleinere Gruppen mit den Frühstartern waren schon unterwegs.

Immerhin kann man bei den Kranichen so viel sagen, spätestens wenn es kalt wird, dann wollen sie fast alle los.

Die Sichtungen vom September

Die Sichtungen vom September

Die Sichtungen vom September, das Teichhuhn hat noch spätem Nachwuchs

Die Sichtungen vom September waren etwas anders als erwartet. Vor dem Urlaub in Zeeland hatte ich gedacht, das ich bestimmt neue Limikolen und Möwen sichten werde. Es war dann nur eine neue Limikole, der kleine Steinwälzer. Über den Steinwälzer (Arenaria interpres) habe ich hier schon berichtet. Er ist meine Nr. 94 für dieses Jahr. Eine neue Möwenart für dieses Jahr konnte ich in Zeeland gar nicht sichten.

Die weiteren Vogelarten, die ich in Zeeland beobachtet habe, waren typische Arten für ganz Mitteleuropa. Die mir zu Hause aber immer Probleme bereiten. Ich sehe sie häufig immer erst sehr spät im Jahr.

So zum Beispiel das Teichhuhn meine Nr. 93 für dieses Jahr. Während sein Verwandter, das Bläßhuhn überall ziemlich häufig ist, sieht man Teichhühner sehr selten. In Westkapelle war es auch nur eine Teichhuhn-Familie, die auf 50 Bläßhühner kam. So ähnlich ist auch das Verhältnis der beiden Arten in Nordrhein-Westfalen.

Das ich den Eisvogel immer erst so spät im Jahr sehe, habe ich auch schon in meinem letzten Beitrag erklärt. Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist die Nr. 95 für dieses Jahr.

Die Nr. 96 geht an die hübsche Gebirgsstelze. Die in Nordrhein-Westfalen auch nur an bestimmten Orten gesichtet werden kann. Deshalb bin ich mit den Sichtungen vom September ganz zufrieden.

 

Der Bienenfresser (Merops apiaster)

Der Bienenfresser (Merops apiaster)

Mit gefangenen Insekten fliegt der Bienenfresser (Merops apiaster) auf einen Ast

Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist der farbenprächtigste Vogel den wir in Deutschland haben. Seine Oberseite ist kastanienbraun, die Unterseite grünlichblau, Kinn und Kehle sind leuchtend gelb. Er wirkt wie ein Vogel aus den Tropen, ist aber kein Exot, sondern ein heimischer Vogel. Er wurde schon im 15. Jahrhundert in Deutschland gesichtet. In einigen aktuellen Berichten wird der Bienenfresser (Merops apiaster) auch als invasive Art bezeichnet. Er profitiert vom Klimawandel und breitet sich in Deutschland aus. Aber das passiert langsam und ist von einer Invasion weit entfernt.

Keine Gefahr für Bienenvölker

Er dringt auch nicht in Lebensräume ein und gefährdet dort andere Arten. Und auch niemand muss die Befürchtung haben, der Bienenfresser (Merops Apiaster) könnte die Bienen ausrotten.

Der Bienenfresser (Merops apiaster) fängt Großinsekten

Auch wenn der Name sich erstmal schlimm und martialisch anhört, Bienen sind sehr selten die Nahrung des Bienenfressers. Es sind hauptsächlich Großinsekten, die er im Flug fängt. Hauptsächlich Libellen und Hummeln. Aber auch Wespen, Hornissen und Schmetterlinge. Dabei hilft ihm sein langer, nach unten gebogener Schnabel. Diesen nutzt er praktisch wie eine Pinzette, um die Insekten zu halten.

Hat er ein Insekt gefangen, fliegt er damit auf einen Ast und schlägt das Insekt so lange auf den Ast, bis der Stachel und die Giftdrüse entfernt sind. Man sieht den Bienenfresser deshalb auch häufig auf passenden Ästen sitzen. Besonders scheint er Birken als Ansitzbäume zu bevorzugen.

Der Bienenfresser (Merops apiaster) wird bis zu 28 cm groß und ist ein schlanker Vogel. So kann er optimal seine Bruthöhlen 1 bis 2 m tief in Sand- und Lößsteilwände graben. Manchmal gräbt er seine Bruthöhlen auch direkt in den Sandboden. Die Brutzeit beträgt etwa 20 bis 22 Tage.

Der Bienenfresser (Merops apiaster) in Deutschland

Solche natürlichen Steilwände gibt es in Deutschland selten. Der Bienenfresser (Merops apiaster) brütet bei uns hauptsächlich in ehemaligen oder noch bewirtschafteten Sandgruben. Selten findet er auch einmal Steilwände an Flüssen, wo er seine Bruthöhlen graben kann. Und trotz dieser speziellen Anforderungen an seinen Lebensraum und dem fortschreitenden Insektensterben, ist der Bienenfresser (Merops apiaster) ein Gewinner unter den Vogelarten.

Mit Freunden in den Süden

Für den Bienenfresser war der Jahrhundertsommer 2018 wohl ein optimaler Sommer. Er liebt die Wärme und ist deshalb nur von Mai bis Mitte August in Deutschland. Die restliche Zeit verbringt er in Afrika. Eine Gruppe von Wissenschaftlern von der Vogelwarte in Sempach in der Schweiz hat nun herausgefunden, das die Bienenfresser gerne mit einer Gruppe von Freunden in den Süden fliegen. Die Bienenfresser sind den Winter über in Afrika und um die 14.000 km unterwegs. Diese Strecke und die gesamte Zeit verbringen sie mit Freunden. Das haben die Wissenschaftler mit Hilfe von Multisensor-Loggern herausgefunden. Diese Geräte haben registriert, das die Vögel wahrend der ganzen Reise und dem Aufenthalt in Afrika nur maximal bis zu 5 Tagen getrennt waren.

Die Logger wurden an den Vögeln befestigt und bei der Rückkehr in die Brutgebiete abgenommen und ausgewertet. Dabei wurden auch die Flughöhen ausgelesen und festgestellt das die Vögel immer miteinander unterwegs waren und auch nicht näher verwandt waren. Damit konnte man beweisen, dass auch kleine Vögel in sozialen Gruppen ziehen.

In Deutschland fast ausgestorben

Anfang der 90er Jahre war der Bienenfresser (Merops apiaster) in Deutschland so gut wie ausgestorben. Mit der Klimaerwärmung ist er aber wieder zugewandert und breitet sich immer mehr aus. Da er die Sandgruben braucht und die Wärme liebt, sind noch nicht alle Gegenden in Deutschland optimale Lebensräume für den Bienenfresser. Die größten Vorkommen gibt es in Sachsen-Anhalt und im Kaiserstuhl in Baden-Württemberg. In Sachsen-Anhalt liegt sein Hauptvorkommen rund um den ehemaligen Tagebau am Geiseltalsee. Aber auch an der Mittelelbe ist er sehr verbreitet. Auch dort gilt, er breitet sich weiter Richtung Norden aus. Er brütet sogar schon in Mecklenburg-Vorpommern. Im Westen von Deutschland kann man sagen, er breitet sich entlang des Rhein aus, weil es dort am Wärmsten ist in Deutschland.

Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist auch sehr zahlreich in Rheinland-Pfalz und Rheinhessen. In Rheinland-Pfalz gibt es Kolonien im Gebiet Mayen-Koblenz. Dort kann man ihn auch im Naturschutzgebiet Thürer Wiesen beobachten. Es gibt eine Kolonie in Ingelheim, Gerolsheim und eine in Eisenberg-Leiningerland. Der Bienenfresser fühlt sich besonders auch am Pfälzer Wald sehr wohl. Insgesamt gibt es ca. 250 Brutpaare in Rheinland-Pfalz.

Ich habe angefangen, 2018 Informationen über den Bienenfresser zu sammeln und ich habe angefangen, ihn in Nordrhein-Westfalen zu suchen. In NRW gibt es vielleicht zwischen 15 und 25 Brutpaaren.

Der Bienenfresser in NRW

Er ist in NRW im Moment auch hauptsächlich im Rheinland zu Hause. Er brütete bis 2018 in Erkrath im Kreis Mettmann und wenn die Gruppe ausgeflogen ist, konnte man sie auch in Düsseldorfer Parks beobachten. 2019 sind die Bienenfresser nicht nach Erkrath zurückgekehrt. Der rheinische Tagebau ist für den Bienenfresser wie eine riesige Sandgrube und dort ist wahrscheinlich das größte Vorkommen. Aber in einem so großen Gebiet ist es fast unmöglich welche zu finden und ihr Vorkommen zu bestimmen. Ein Ort wo man noch die größten Chancen hat, ist die renaturierte Königshovener Höhe. Ein weiterer Brutplatz ist im Kreis Viersen an der niederländischen Grenze, am Brachter Wald. Dort war ein ehemaliges Munitionsdepot der Nato. Das jetzt für Besucher zugänglich ist und besonders von Radfahrern aus Deutschland und den Niederlanden genutzt wird. Am Haupteingang des Brachter Waldes gibt es mehrere Sandgruben, die noch bewirtschaftet werden.

Brutplatz in der Sandgrube

Im sandreichen Gebiet um Haltern im Münsterland gab es auch schon einzelne Bruten von Bienenfressern. Da viele Sandgruben in Deutschland in Privatbesitz sind und gesperrt sind, ist es nicht so leicht zu sagen, wo es überall Bienenfresser gibt. Diese Informationen werden aus diesen Gründen auch wenig verbreitet. Es sind noch seltene Vögel die sehr auffällig sind und deshalb besonderen Schutz erfordern.

Sind die Jungvögel flügge, verlassen sie die Sandgrube aber sofort und fliegen in Gruppen durch die Gegend, um Nahrung zu suchen. Die Bienenfresser sind sehr gesellige Vögel. Sie erinnern in diesen Gruppen an Finken oder auch Stare.

Die Bienenfresser am Brachter Wald

Ich habe die Bienenfresser am Brachter Wald gesehen und fotografiert. Oft sieht man sie erst im Flug und hört ihre charakteristischen Rufe. Immer wieder hörte man das kurze „Rüpp“ oder auch das klingelnde  “bürr-bürr“. 2018 zählte ich 11 Exemplare im Flug über mir! Die Brutzeit war schon beendet und sie hatten sich zu einer Gruppe versammelt. Das war nicht nur eine sehr farbenprächtige, sondern auch eine sehr lebhafte Gruppe. Wie sich später herausstellte, waren bis zu vier Jungvögel dabei. Die sind noch weniger farbenprächtig als ihre Eltern.

Auch 2019 besuchte ich wieder die Sandgruben am Brachter Wald. Leider musste ich bei meinen Besuchen feststellen, dass die Störungen massiv zugenommen haben. Ich hatte hier schon in meinen anderen Beiträgen darüber berichtet :

Link ==> Die Bienenfresser am Brachter Wald

und ==> Neues von den Bienenfressern am Brachter Wald

Massive Störungen in der Sandgrube

Störungen durch Spaziergänger mit Hunden, Mountainbiker und Leute die mit ihrem Modellautos in der Sandgrube fahren. Waren die Bienenfresser am Anfang noch in der vorderen Sandgrube zu sehen, haben sie sich später in eine der hinteren Sandgruben zurückgezogen. So lange sie den Störungen noch ausweichen können, ist es für sie wohl noch zu ertragen. Am Sonntag kam aber dann der Höhepunkt der Störungen. Zwei Männer fuhren mit ihren Quads in den Sandgruben. Dafür mussten sie erstmal an der Schranke am Eingang vorbeikommen. Das Verbotsschilder für solche Menschen unsichtbar sind, ist ja nichts Neues.

Sollte es mit den Störungen so weitergehen, werden sich die Bienenfresser vielleicht bald einen anderen Brutort suchen. Durch die Quadfahrer wurden am Sonntag fast alle Bienenfresser aufgescheucht. Ich zählte 10 Bienenfresser. Es hat also wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder mit dem Nachwuchs geklappt.

Wenn eine Gruppe Bienenfresser über den Bäumen kreist, dann ist das ein unheimlich schöner und faszinierender Anblick. Mit ihren dreieckigen Flügeln wirken sie im Flug wie riesige Schwalben. Die dreieckigen Flügel sind Orange und haben schwarze Ränder. Wenn sie von der Sonne angestrahlt werden, sind sie leicht durchsichtig und leuchten in der Sonne. Das läßt den Bienenfresser sogar im Flug noch exotisch erscheinen.

Gesellige Vögel mit dem Hang zum Egoismus

Die Bienenfresser sind sehr gesellige Vögel. Einzelne Vögel oder Paare fühlen sich schnell allein. Eine Ansiedlung wird dann schnell wieder aufgegeben, wenn keine Brutkolonie entsteht. Sie fühlen sich in der Gruppe sehr wohl und warnen sich auch gegenseitig durch Warnrufe, wenn ein Greifvogel oder eine andere Gefahr auftaucht. Generell kann man sie eher als scheu bezeichnen. Ihre Fluchtdistanz ist doch sehr groß.

Manche Charakterzüge bei den Bienenfressern sind auch etwas widersprüchlich. Sie sind auch Kleptomanen und Egoisten, die dem Nachbarn in der Gruppe auch gerne einmal die gefangenen Insekten klauen. Ihr Zusammenleben ist sehr faszinierend. Vielleicht haben in den nächsten Jahren mehr Menschen die Chance, dieses wunderschönen Vögel zu beobachten. Auch wenn das bedeutet, das unsere Sommer in Europa und Deutschland wahrscheinlich nicht kühler werden.

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